Heilerziehungspfleger- ein Traumberuf für Florian

 

 

 


v.l.Florian Niggeman u. Michael Schulert mit Bewohnerinnen im Franz-Jordan-Haus

An der Schule ist er geblieben. Im Bereich der Fachschule „mache ich nun meinen Heilerziehungspfleger, weil ich mehr Verantwortung übernehmen möchte“, sagt er. Drei Jahre dauert die staatliche anerkannte Ausbildung, 2023 hofft Niggemann abzuschließen.

„Der Beruf bietet Chancen“, sagt Kornelia Böhlen. Basierend auf einer guten Ausbildung in der Pflege und der Pädagogik, hält die Lehrerin des Berufskollegs fest. Eine Ausbildung „nah am Menschen und sehr persönlichkeitsbildend“. Weil die Absolventen ein ganz spezielles Jobprofil mitbringen, sollten mehr entsprechende Arbeitsplätze in den Einrichtungen geschaffen werden, wünscht sich Kollegleiter Hartmut Peter. „Mitarbeiter in der Behinderten- und Altenhilfe leisten enorm viel“, sagt er. Doch bleibe in der Betreuung allzu häufig einiges auf der Strecke. „Zu wenig Zeit für Wesentliches“, sagt Peter.

Wenn junge Menschen Verantwortung übernehmen wollen

Zu seiner Aufgabe gehöre es, „jeden Tag aufs Neue, den Menschen zu ermöglichen, einen guten Tag zu haben, einen Tag, an dem sie etwas erleben“, beschreibt Niggemann. Es sind Menschen mit geistiger, körperlicher oder seelischer Behinderung, deren Eigenständigkeit Heilerziehungspfleger stärken, um ihnen im Alltag eine möglichst selbstständige Lebensführung zu erhalten. Für den Seniorenbereich hatte sich Niggemann entschieden, weil er Erfahrungen mit Demenzerkrankten sammeln wollte.

Niggemann macht Angebote, baut Beziehungen auf, nimmt sich die Zeit für das Gespräch. „Aktivierung“ so der Fachbegriff. Morgens macht er das Frühstück, reicht, wenn es sein muss, das Essen an. Zu den Förder- und Bewegungsangeboten, „die wir täglich machen“, gehörten das Zuhören ebenso wie Geschichten erzählen, aber auch handwerkliche Tätigkeiten wie gemeinsame Bastelrunden. „Klientenspezifisch“, sagt Niggemann.

„Durch die erfahrene Wertschätzung lebt der Mensch auf“, sagt Böhlen. Der Beruf werde in Zeiten der Inklusion mehr und mehr gebraucht, sagt Böhlen. „Wir brauchen Menschen, die pflegen können und mit den Anforderungen moderner Behindertenhilfe vertraut sind“. Und junge Menschen sollten sich engagieren, „wenn sie die Arbeit mit Menschen mögen, Verantwortung übernehmen wollen und sich auch in schwierigen Situationen nicht aus der Ruhe bringen lassen“, sagt Niggemann und zählt Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Kommunikationsfreude, Empathie, ein freundliches und aufgeschlossenes Wesen sowie Belastbarkeit auf.

Als pädagogische Aufgabe hatten die Praktikanten in der vergangenen Woche Porträts der Bewohner erstellt, die stark in die Biografiearbeit hineinreichten. „Unsere Schüler haben sich intensiv mit den erzählten Lebensgeschichten auseinandergesetzt“, berichtet Böhlen. Ein Gewinn für alle: eine wertvolle Erfahrung für die Fachschüler, die zu einem besseren Verständnis für den Menschen und damit auch zu einer besseren Pflege beitrage.

»Was unsere Schüler im Job leben sollen«

„Unter den Corona-Beschränkungen haben die Bewohner in den vergangenen zwölf Monaten emotional gelitten“, bemerkt Peter. Da sind die seitens der Praktikanten geschenkten Stunden umso mehr willkommen. Die Vernetzung von Theorie und Praxis ist für den Kollegleiter unabdingbar. Auch in Pandemie-Zeiten. „In den vergangenen Wochen waren die rund 110 Schüler der Unterkurse inklusive der Sozialassistenten in der Praxis“, meldet Peter und betont den hohen Männeranteil über alle Bildungsgänge, die am Rimbecker Berufskolleg angeboten werden. „Gut 25 Prozent“, sagt Peter, „Das ist ’ne Menge.“

Ein Erlebnis ist Florian Niggemann besonders hängengeblieben. Am letzten Praktikumstag habe er einer Klientin im Zimmer das Mittagessen, dass sie die Tage zuvor immer wieder verweigert habe, angereicht. Auch eine Unterhaltung mit der Demenzerkrankten sei schwer möglich gewesen. Niggemann hat sich gekümmert. Dass die Dame unter seiner Obhut den Teller dann leer aß, hat ihn gefreut. „Eine Kleinigkeit“, sagt er, „aber man fühlt sich gut als Mensch“.

Was das Kolleg in Rimbeck auszeichne, sei die Offenheit und das gegenseitige Verständnis, sagt Hartmut Peter. „Was unsere Schülerinnen und Schüler im Job leben sollen, bekommen sie auch von uns“, gibt der Kollegleiter für die Ausbildung und den Unterricht vor. Die Ausbildung zum Heilerziehungspfleger zeichne sich durch einen Mix aus Theorie und Praxis aus. In der Fachschule in Rimbeck lernen die Schüler die Inhalte, die sie in den jährlich wechselnden Praxisstellen anwenden.